09. Dezember


 

Benni und Pascal sitzen bei Fabers auf der Terrasse und haben jeder einen riesigen Eisbecher vor sich. Genüsslich schlecken sie die Eiskugeln und genießen die frischen Erdbeeren aus dem Garten. Auch das Sahnehäubchen ist nicht zu verachten, zusehends verschwindet die große Portion.

„So mach ich auch gern meine Hausaufgaben!“ Der achtjährige Johannes schmeißt sich auf den freien Gartenstuhl und macht verlangende Augen.

„Mama, darf ich auch?“, ruft er durchs offene Küchenfenster.

„Ja, sicher, hol dir auch eine Portion, es ist genug da.“

„Mmh, also eigentlich veranstalten wir hier ein Arbeitsessen, ganz exklusiv für die Mitarbeiter unsrer Forschungsarbeit“, meint Benni und hofft damit den kleinen Bruder loszuwerden.

„Mitarbeiter? Etwa für euern Laternenmann? Das ha’m wir doch gleich, Sekunde!“

Schon hat Johannes das große Windlicht von der Mauer genommen und spaziert damit auf der Terrasse hin und her: „Guten Tag, meine Herren. Erkennen Sie mich, den Mann mit der Laterne? Dürfte ich gnädigst um einen Eisbecher aus Ihrer Armenspeisung bitten?“

Die beiden biegen sich vor Lachen, Johannes hat immer so lustige Einfälle und schauspielert wirklich gut. Auch Frau Faber guckt lachend durchs Küchenfenster und klatscht Beifall.

„Du, ich hab’s!“ Benni zuckt unter Pascals Schlag auf die Schulter zusammen.

„Was? Wie man Knochen bricht?“

„Quatsch! Frau Schröder gab doch neulich die Anregung, bei der Präsentation ruhig originelle Ideen einzubauen – und das ist eine!“

Jetzt setzt Pascal eine steife Miene auf und säuselt im Tonfall der Deutschlehrerin: „Würdest du bitte die Freundlichkeit haben, deine sicherlich konstruktiven Ideen zu konkretisieren?“

Gelächter. „Ha, genau Frau Schröder, wie sie leibt und lebt“, japst Benni.

„Was meintest du denn nun mit der originellen Idee?“, will Pascal wissen.

„Ganz einfach, einer von uns wird sich als ‚Mann mit der Laterne’ verkleiden, Mantel, altmodischer Hut, Brille. Der andere kann ihn dann befragen. So ein Interview kommt immer ganz gut an, auch bei den anderen, die das besser finden als ein trockenes Referat. - Mama, dürfen wir dafür deine Gartenlaterne ausleihen?“

„Klar doch, ich finde das richtig gut!“

Pascal wundert sich ein bisschen, dass die ganze Familie Faber so gut über ihr Thema informiert ist. „Na ja, weißt du, ich erzähle immer so gern alles, von der Schule und so. Dabei sitzen wir manchmal endlos am Tisch, Johannes hat dann seine Ulknummern drauf und Sylvi amüsiert sich total.“

„Sylvi? Wer ist das denn? Wie viele Geschwister hast du eigentlich?“

„Bloß die beiden, Johannes und Sylvi. Du wirst Sylvi auch noch kennenlernen. Wie wär’s eigentlich? Wir haben doch nächste Woche den unterrichtsfreien Tag ...“

„Weshalb eigentlich? Ich hab das nicht so richtig mitgekriegt.“

„Ne große Lehrerkonferenz, glaube ich. Na, jedenfalls ist kein Unterricht. Kommst du zu mir zum Übernachten?“

„Das wär’ Klasse, meine Schwestern dürfen heimfahren und ich konnte mich noch nicht so richtig entscheiden. Letztes Mal war dicke Luft, das brauch ich nicht so wirklich.“

Benni fragt natürlich zuerst seine Mutter, die gerne einverstanden ist. Als sie mit ihrer Arbeit fertig sind, brausen sie los zum Kinderdorf, um dort für Pascal um Erlaubnis zu bitten. Er rechnet nicht mit Schwierigkeiten, aber es muss selbstverständlich geregelt werden.

 

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Danke an Erika Demant und den CSV-Verlag für die Genehmigung zur Veröffentlichung. 

Danke an Gunther Werner für die Bearbeitung.

Die Geschichte gibt es hier auch als Buch zu kaufen

Bild: (c) Can Stock Photo / colematt