2. Dezember


Teil 2

Bennis Mama findet einige Informationen für sie heraus. Thomas Barnardo lebte in England, - dabei hatten sie bei dem Namen eher auf einen Spanier oder Italiener getippt. Und er hatte offenbar etwas mit Waisenhäusern zu tun, auch das Stichwort „Zerlumptenschule“ taucht auf. Das scheint aber ein sehr merkwürdiger Schulname zu sein.

„Mhh, das ist aber keine Empfehlung für eine Schule“, stellt Benni grinsend fest. „Stell dir mal vor, in deinen Bewerbungsunterlagen steht später ‚Besuch der Zerlumptenschule von dann bis dann’. Weiß wirklich nicht, ob unser Barnardo der richtige Namensgeber ist.“

Auch Pascal sieht verwirrt aus.

Da hat Frau Faber einen guten Gedanken. „Benni, du erinnerst dich doch bestimmt noch an Tante Ute, die mal früher gegenüber wohnte. Ich kann mich entsinnen, dass sie in ihrem Beruf mit Kinderheimen zu tun hatte. Fragt sie doch mal. Sie hilft euch bestimmt gern weiter!“

Klar, Tante Ute! Benni und seine Schwester sind früher immer besonders gern zu ihr gegangen. „Super Idee!!“, sagt er dankbar. „Los, Pascal! Lass uns gleich hinfahren!“

Und die beiden Forscher haben Glück. Tante Ute ist zu Hause und kommt an die Tür: „Ah, Benni, das ist aber schön, dass du dich mal sehen lässt. Kommt doch rein, bestimmt möchtet ihr etwas trinken, oder?“

In der Küche sieht es nicht so aus, als ob Tante Ute unter Langeweile leidet. Erst jetzt denkt Benni daran, dass sie besser vorher angerufen hätten. „Passt es dir nicht so gut?“, fragt er betreten.

 „Ach, du denkst wegen der Unordnung hier?“ Tante Ute lacht. „Ich hatte für heute beschlossen, endlich mal meine Küchenschränke auszumisten und dabei gleich sauber zu machen. Aber die laufen mir doch nicht weg! Jetzt seid ihr hier und wir machen uns eine Tasse Kakao – oder trinkt ihr lieber Tee?“

„Kakao“, sagt Pascal schnell und Benni schließt sich an. Dann beginnt er von ihrer Forschungs-Aufgabe zu erzählen. „Barnardo, Barnado. Warte mal, ja, da dämmert mir was, hatte er mit armen Kindern was am Hut? Mit Straßenkindern?“ „Kann sein, so genau wissen wir das auch noch nicht“, berichtet Pascal.

Tante Ute runzelt die Stirn und überlegt angestrengt. Dann springt sie auf und verschwindet im Nebenraum. Es dauert nicht lange, bis sie mit einem dicken Buch zurückkommt und sehr vergnügt feststellt: „Über 400 Seiten, da habt ihr mal richtig Lesefutter!“

Entsetzt schauen sich die Jungen an. Das darf doch nicht wahr sein! 400 Seiten! „Na ja, wir haben auch noch andere Hausaufgaben“, sagt Pascal zögernd. „Das dauert doch total lange, so was durchzuarbeiten, oder?“

Benni, der sich erinnern kann, dass Tante Ute früher oft Geschichten erzählte, macht ganz zaghaft einen Vorschlag: „Könntest du uns nicht ein bisschen über Thomas Barnardo erzählen? Du hast doch sicher das Buch schon gelesen, oder?“ „Aber das ist ziemlich lange her.“ „Ach so“, meint Pascal enttäuscht.

„Ich habe eine Idee“, meint Tante Ute verschmitzt. „Wir machen eine Art AG. Ich lese das Buch für euch noch einmal und ihr übernehmt im Gegenzug eine Arbeit für mich. Ich erzähle euch über Barnardo, ihr macht euch Notizen, und könnt eure Aufgabe schreiben.“

„Teil eins ist okay“, meint Benni. „Aber welche Aufgaben sollen wir denn übernehmen?“, ergänzt er etwas zögernd. „Keine Sorge, die Schränke putze ich lieber selber“, sagt Tante Ute beruhigend und lacht.  „Aber wie wär’s mit Rasenmähen, Einkaufen, Straße fegen?“  Die drei sind sich schnell einig. Die Jungen haben vier Wochen Zeit für ihre Aufgabe. Sie dürfen jeden zweiten Tag kommen. Tante Ute wird ihnen dann jedes Mal erzählen, was sie inzwischen gelesen hat.

Benni und Pascal verabschieden sich. „Bis übermorgen, Tante Ute, und lies bloß nicht die ganze Nacht!“ „Nein“, verspricht Tante Ute vergnügt. „Höchstens die halbe. Schließlich will ich übermorgen viel für euch zu erzählen haben!“

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Danke an Erika Demant und den CSV-Verlag für die Genehmigung zur Veröffentlichung. 

Danke an Gunther Werner für die Bearbeitung.

Die Geschichte gibt es hier auch als Buch zu kaufen

Bild: (c) Can Stock Photo / colematt