3. Dezember


Teil 3

Beim nächsten Besuch bei Tante Ute brauchen Benni und Pascal keine langen Vorreden. Tante Ute erwartet die Jungen schon. Gemütlich sitzen sie bei dampfendem Kakao und knusprigen Plätzchen in der Sofaecke und Tante Ute legt sofort los:

„Die Geschichte beginnt mit einem jungen Medizinstudenten in England. Eigentlich wollte er Chinamissionar werden. Zur Vorbereitung sollte er ein Medizinstudium absolvieren, so wurde es beschlossen. Sein Herz brannte für die Heidenkinder, wie man damals sagte.“

„Heidenkinder?“  „Das waren Kinder, die - na ja, eben keine Christen waren. Sie kannten Gott nicht.“

Tante Ute nickt und erzählt weiter: „Thomas Barnardo konnte es nicht ertragen, dass so viele Chinesenkinder noch nie von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, dem Heiland der Welt gehört hatten. Es war für ihn sonnenklar, dass er so bald wie möglich nach China reisen würde. Aber dann kam alles ganz anders.“

„Wieso? Wurde er krank?“  „Nein, das war nicht der Grund, obwohl er als Baby so krank und schwach war, dass ein Arzt ihn für tot erklärte und die Familie seine Beerdigung vorbereitete. Zum Glück bemerkte ein Mann vom Beerdigungsinstitut, der das Baby in den kleinen weißen Sarg legen wollte, dass sein Herzchen noch schlug. Könnt ihr euch vorstellen, wie froh und dankbar die Eltern waren?“

Die beiden nicken ernsthaft, die Geschichte scheint ja interessant zu werden. Ein lebendiges Kind, das um ein Haar in einen Sarg gelegt wird! „Das schwache Baby wurde schnell zu einem starken, wilden Jungen. Sehr beliebt war er nicht, vor allem nicht bei den Erwachsenen. Keiner wurde so richtig mit ihm fertig. Bis – ja, bis er eines Tages total umkehrte. Er bekannte dem Herrn Jesus seine Sünden, alles Böse in seinem Leben, und bat ihn um Vergebung. Danach merkten alle, dass der wilde Junge wie neugeboren war, und das war er ja auch wirklich, weil er den Herrn Jesus in sein Leben aufgenommen hatte.

Ab jetzt kannte er nur noch ein wichtiges Ziel; er wollte auch anderen Menschen erzählen, wie sehr Jesus Christus ein Leben verändern kann. Er konnte es nicht ertragen, dass ungezählte Menschen ohne Gott lebten - und gottlos sterben würden. Denn das bedeutete, dass sie für alle Ewigkeit in der Hölle sein müssten, getrennt von Gott, getrennt von allem Schönem, Wahrem und Hellem. Das durfte nicht sein!

Thomas verschenkte Bibeln, sprach mit den Leuten über ihr Leben und ihre Zukunft und machte sich pausenlos Gedanken, wie er helfen könnte. Wenn er schon abwarten musste, bis er endlich nach China ausreisen durfte, so wollte er doch jetzt schon missionieren.

Von seinem Vater bekam er Geld für sein Studentenleben. Er brauchte Bücher und musste die Zimmermiete und seine Verpflegung bezahlen. Große Sprünge konnte er sich nicht leisten und er wollte auch den Vater nicht unnötig um Hilfe bitten.“  „Hat Thomas denn kein Geld vom Staat bekommen?“, fragt Benni mit großen Augen.

„Stimmt“, fällt Tante Ute ein, „ich hab euch ja noch gar nicht verraten, wann Thomas lebte! Das war im 19. Jahrhundert. Genauer gesagt, er wurde 1845 geboren. Damals gab es natürlich noch kein Bafög. Es ging ganz anders zu als heute. Thomas Barnardo hatte viel Glück, dass er überhaupt studieren durfte. Es gab so viel Armut damals, und die Kinder hatten es besonders schwer. Viele von ihnen konnten überhaupt nicht zur Schule gehen, sondern mussten schwer arbeiten!“

Pascal denkt, dass er ja auch so seine Aufgaben im Kinderdorf hat! Diese Woche muss er den großen Hof fegen. Das ist zwar nicht so sein Ding, aber ein Ferienjob würde ihm eigentlich besser gefallen als Schule, meistens zumindest. „Arbeiten ist doch nicht schlecht“, meint er vorsichtig „Was war daran denn so schlimm in England damals?

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Danke an Erika Demant und den CSV-Verlag für die Genehmigung zur Veröffentlichung. 

Danke an Gunther Werner für die Bearbeitung.

Die Geschichte gibt es hier auch als Buch zu kaufen

Bild: (c) Can Stock Photo / colematt