7. Dezember


Als Pascal die restlichen Hausaufgaben erledigt, setzt sich Ina zu ihm an den Schreibtisch. Sie ist als Erzieherin im Kinderdorfhaus angestellt und betreut speziell die drei Geschwister.

„Wann geht ihr denn wieder zu eurer Tante Ute?“, fragt sie. „Ich finde es richtig gut, dass sie mit euch arbeitet. Ich hätte einfach nicht die Zeit, so ein dickes Buch für euch zu lesen!“

„Ist doch klar“, antwortet Patrick.

„Aber vielleicht kann ich euch auch ein bisschen helfen“, sagt Ina geheimnisvoll. „Mir ist nämlich eingefallen, dass eine meiner ehemaligen Mitschülerinnen ein Praktikum in England gemacht hat, und zwar, wenn ich mich richtig entsinne, sogar in einem ehemaligen Barnardo-Heim! Soll ich sie mal anschreiben, ob sie Informationen für uns hat?“

„Ein Haus, das echt noch nach ihm benannt war, ein echtes Barnardo-Heim?? Gab’s die denn noch bis vor kurzem? Das wäre genial!“, meint Patrick. Toll, dass sich hier noch eine Quelle auftut, eine Originalquelle sogar! Pascal ist voll begeistert. „Hätte ich nie gedacht, dass wir so viele Informationen kriegen! Vielleicht bekommen wir dafür am Ende sogar den  ersten Platz?!“

Ina lässt sich von seiner Begeisterung anstecken. „Wie ist das überhaupt?“ Sie will es jetzt genau wissen: „Wer entscheidet denn über den Schulnamen? Dürft ihr als Schüler auch mitbestimmen?“

Pascal grinst. „Och, darüber haben wir eigentlich noch keine Sekunde nachgedacht! Die Geschichte kam einfach viel besser ins Laufen, als wir es erwartet hatten, weil es eine faszinierende Sache ist. Aber, es wäre schon nicht schlecht, irgendwann zur ‚Thomas Barnardo-Schule’ zu gehören, die unserer Arbeitsgruppe den Namen zu verdanken hätte. Und alle, Lehrer und Mitschüler, wüssten endlich: Benni und Pascal sind Klasse-Schüler, die was drauf haben!“

Ina lacht und nickt ihm zu.

 

„Heute erzähle ich euch von einem sehr schlimmen Erlebnis, das Thomas Barnardo sehr bewegte“, beginnt Tante Ute beim nächsten Treffen. „Es ist die Geschichte eines ‚Niemandskindes’, das wegen seines roten Schopfes ‚Gelbe Rübe’ genannt wurde.  Inständig bettelte der Junge um Thomas’ Hilfe. Thomas versprach, sich darum zu kümmern, dass der Junge so bald wie möglich einen Pflegeplatz erhielt. Denn auch das gehörte zu den selbstgewählten Aufgaben des aktiven Studenten: Er machte Familien ausfindig, die ein heimatloses Kind aufnahmen. Wir würden heutzutage ‚Pflegestelle’ dazu sagen.

„Stopp, das ist ein gutes Stichwort für unsre mind map!“ ‚Pflegestellen’, schreibt Pascal sorgfältig auf seinen Block.

„Wie hat der Student das bloß alles geschafft, und dabei noch studiert?“, fragt Benni beinahe ehrfürchtig.

„Das habe ich mich beim Lesen auch immer wieder gefragt“, bestätigt Tante Ute. „Dabei fiel mir ein Bibelvers ins Auge, der für Thomas Barnardo ganz wichtig war: ‚Seine Kraft ist in den Schwachen mächtig’ (2. Korinther 12,9 LU).“

 

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Danke an Erika Demant und den CSV-Verlag für die Genehmigung zur Veröffentlichung. 

Danke an Gunther Werner für die Bearbeitung.

Die Geschichte gibt es hier auch als Buch zu kaufen

Bild: (c) Can Stock Photo / colematt