11. Dezember


„Mensch, das mit den behinderten Menschen war auch für Thomas Barnardo ein Thema!“ Benni guckt erstaunt um sich. Warum lachen die anderen denn alle? Aber es ist auch wirklich toll! Kaum noch ein Gespräch bei Fabers, ohne diesen faszinierenden Mann zu erwähnen.

„Was hatte Barnardo denn mit Olympischen Spielen für Behinderte zu tun?“, möchte Sylvi wissen.

Nun sind Pascal und Benni in ihrem Element. „Thomas liebte eigentlich jedes Kind, aber Kinder mit Behinderung hatte er ganz besonders ins Herz geschlossen. In seinem ‚Knabenheim’ lebte der 5jährige Jakob, ein blinder Junge. Behutsam tastete er vertraute Menschen ab und konnte so schnell feststellen, um wen es sich handelte. Thomas machte mit ihm gern ein Spielchen, indem er die Stimme verstellte und ganz fremd tat. Wenn aber Jakob den jungen Mann ertastete und dabei an seine Brille kam, dann schrie er begeistert: ‚Ich hab’s, Doktor Barnardo ist das!’

Billy und George waren ohne Beine geboren. Thomas sah überhaupt kein Problem darin, dass sie mit den andern Fußball spielten. Er dachte sich eben Hilfsmittel aus und unterstützte die aktiven Jungen. Das war garantiert zu der Zeit ganz außergewöhnlich.“

„War er eigentlich Arzt?“, fragte Sylvi.

„Hm, das war zunächst ein kleines Problem. Er studierte immer noch Medizin. Wahrscheinlich ging’s ein bisschen langsamer als bei andern Leuten, die nicht nebenher nachts mit der Laterne rumlaufen, kleine Jungen aufsammeln und ein Kinderheim für sie gründen. Außerdem hatte Barnardo inzwischen ein riesiges Tanzlokal in ein großes Evangelisationshaus umgewandelt. Dazu ...“

„Stopp, das reicht, das war ja echt ein Energiebündel und total arbeitswütig. Woher hatte der nur soviel Motivation?“

„Tante Ute meint, weil er ein ganz überzeugter Christ war. Sie sagt, Thomas Barnardo war innerlich bewegt durch die große äußere und innere Not der Menschen und das setzte ihn in Bewegung. Kaum selbst Christ geworden, wollte er auch anderen die frohe Botschaft weitersagen und sie zum Umdenken bringen und überall helfen. Dabei fühlte er sich von Gott geführt, seine Leitung war ihm ganz wichtig.“

„Ob das immer so klappt, ich meine, dass Gott immer sagt, wo’s langgehen soll?“, fragt Sylvi nachdenklich. Die Jungen wissen darauf auch keine richtige Antwort.

„Wir können heute Abend bei der Andacht danach fragen, Papa und Mama werden’s wissen“, meint Benni. „In Psalm 32,8 steht übrigens Barnardos Motto, vielleicht bringt uns das auf die Spur.“

„Ja, guck doch mal nach“, sagt Sylvi.

„Da steht: Ich will dich unterweisen und dich lehren den Weg, den du wandeln sollst. Mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten.“

Sylvi lässt sich von der Barnardo-Begeisterung anstecken. Als nämlich die beiden „Barnardos“ über ihren vielen Notizzetteln brüten, schaut sie ihnen über die Schulter:

„Hilfe gefällig? Meine Hausaufgaben sind erledigt.“

Im Nu schafft Sylvi etwas Ordnung auf dem Tisch. Interessiert beäugt sie die Zettel und liest die Stichworte: Zerlumptenschule, Alkohol, Kanada, Indien, Schuhputzerbrigade, nobodychildren.

„Uff, ihr könnt fast ein eigenes Lexikon rausgeben, das ist ja der Wahnsinn! Wie habt ihr das denn geplant: ein Stichwort geben – bitte Fragen dazu stellen, oder wie?“

So arbeiten sich noch eine Weile fleißig weiter an ihrem Referat über Thomas Barnardo und merken dabei gar nicht, dass es Zeit wird für Pascal. Erst als Frau Faber den Kopf zur Tür rein steckt und ihn erinnert, bricht er in Windeseile auf. Der Rucksack ist schnell gepackt und Pascal verabschiedet sich: „Tschüss, und vielen Dank für alles!“

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Danke an Erika Demant und den CSV-Verlag für die Genehmigung zur Veröffentlichung. 

Danke an Gunther Werner für die Bearbeitung.

Die Geschichte gibt es hier auch als Buch zu kaufen

Bild: (c) Can Stock Photo / colematt